Pädagogik-Paket bringt Beurteilungsvielfalt und nur "Mittelschule"

Pädagogik-Paket bringt Beurteilungsvielfalt und nur "Mittelschule"

Utl.: Neue Mittelschule verliert das "Neue", bekommt eine neue Notenskala und die Möglichkeit zu Leistungsgruppen

 

Wien (APA) - Volksschulkinder erhalten ab kommendem Jahr mehr als nur ein Zeugnis: Mit einem neuen "Pädagogik-Paket" will die Regierung wieder Ziffernnoten ab dem Ende der zweiten Klasse einführen - gleichzeitig wird aber verpflichtend dazu zusätzlich eine alternative Beurteilung vorgeschrieben. Die Neue Mittelschule (NMS) erhält eine neue Notenskala, kann Leistungsgruppen einführen und ist nicht mehr "neu".
Derzeit können es sich die Schulen in den ersten drei Volksschuljahren aussuchen, ob sie mit Noten oder verbal beurteilen, in der vierten Klasse sind Ziffernnoten verpflichtend. Künftig soll es weitgehend beide Formen geben: Bis zum Halbjahreszeugnis der zweiten Klasse kann zwar grundsätzlich auch ausschließlich alternativ beurteilt werden - in diesem Fall haben aber Eltern das Recht, auf einer Ziffernnote zu bestehen. Ab dem Ende der zweiten Klasse müssen ab 2019/20 verpflichtend Ziffernnoten vergeben werden, zusätzlich gibt es aber jedenfalls die Verbal-Beurteilung.
Damit könnte die alternative Beurteilung sogar einen "Boost" erleben: Sie wird damit auch an jenen Schulen zur Pflicht, die bisher ausschließlich auf Noten setzten. Zur Entlastung der Pädagogen werden dafür gerade eigene Bewertungsraster entwickelt, die auch die Kriterien transparent machen.
Weitere Änderungen in der Volksschule: Ab der zweiten Klasse können Schüler wieder sitzenbleiben (derzeit erst ab der vierten Klasse). Außerdem werden alle Eltern zu Bewertungsgesprächen über Leistungsstärken und Leistungsstand eingeladen (bisher nur bei alternativer Beurteilung), bei Bedarf können Schüler auch zu Förderunterricht verpflichtet werden.
An den NMS soll es ab der sechsten Schulstufe (2. Klasse) zwei unterschiedliche Leistungsniveaus ("Standard" und "Standard-AHS") geben. Diese lösen die bisher ab der siebenten Schulstufe bestehende Differenzierung in "grundlegende Allgemeinbildung" und "vertiefende Allgemeinbildung" ab. Die siebenteilige NMS-Notenskala wird zwar abgeschafft, an ihre Stelle treten zwei vom System her ähnliche, einander überlappende je fünfteilige Skalen.
Schulautonom erhalten die NMS die Möglichkeit, zur Leistungsdifferenzierung ab der sechsten Schulstufe in Deutsch, Mathe und Englisch dauerhafte Gruppen einzurichten. Anders als in der alten Hauptschule soll aber die Zuteilung der Schüler in diese nicht fix sein - sie sollen während des Schuljahrs wechseln können bzw. je nach Gegenstand auch in anderen Gruppen sein. Schulen, die die Leistungsdifferenzierung wie bisher durch Teamteaching durchführen wollen, sollen dies weiter können. Zur Zeichen der Erneuerung soll die NMS das "Neue" verlieren und zur "Mittelschule" mutieren.
Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sprach zwar einerseits von einem "Meilenstein", betonte aber auch die grundsätzliche Beibehaltung des bisherigen Systems. "Es geht mir dabei nicht um bildungspolitischen Revanchismus oder ein zwangsweises Alles-MussAnders werden." Die Opposition sah dagegen unisono eine "Rückkehr in die Nachkriegszeit" (SPÖ), ein Zurück in die 50er Jahre (NEOS) bzw. einen "Rückschritt als neuen Fortschritt" (Liste Pilz).
Vorsichtig positiv äußerte sich der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger. Das Paket scheine in die richtige Richtung zu gehen. Bei der zusätzlichen verbalen Beurteilung an den Volksschulen müsse aber darauf geachtet werden, die Pädagogen nicht mit zu viel Verwaltung und Bürokratie zu belasten.

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