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Schulverwaltung: Wirtschaftskammer hofft auf weniger Länder-Einfluss

Schulverwaltung: Wirtschaftskammer hofft auf weniger Länder-Einfluss


Utl.: Gegen Vorschlagsrecht des Landeshauptmanns für den Direktor der Bildungsdirektionen - Vorarlberg soll Modellregion für Schule der Sechs- bis 14-Jährigen ermöglicht werden


Wien (APA) - Für die kommenden Tage hat das Bildungsministerium die Vorlage des Schulautonomiepakets samt neuer Schulverwaltungsstrukturen angekündigt. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) hofft darauf, dass die neuen Bildungsdirektionen zur Schulverwaltung entgegen bisheriger Pläne der Regierung noch dem Einfluss der Länder entzogen werden.
Die Bildungsdirektionen sollen die bisherigen Landesschulräte ersetzen und damit dem Bund mehr Einblick verschaffen, die Verwaltung praktikabler machen und eine gewisse Entpolitisierung bringen. Michael Landertshammer, Leiter der bildungspolitischen Abteilung der WKÖ, kritisiert allerdings, dass in dieser "Hybridbehörde" von Bund und Ländern der Bildungsdirektor an der Spitze der Einrichtung weiter im unmittelbaren Einfluss der Länder stehen soll. In den Entwürfen war vorgesehen, dass der Bildungsdirektor vom Landeshauptmann vorgeschlagen wird.
Nicht nachvollziehbar ist für den WKÖ-Bildungsexperten auch, dass die Bildungsdirektion auch für die Qualitätssicherung an den Schulen verantwortlich sein soll. "Das gibt es auch im Wirtschaftsleben nicht, dass eine Firma sich selber zertifiziert. Das machen immer Externe." Eine wichtige Verbesserung brächte es für ihn, wenn die Lehrerverrechnung künftig wie angekündigt über das Bundesrechenzentrum stattfindet. Dass derzeit das Bildungsministerium als Financier aller Pädagogen bei den Landeslehrern nicht wisse, wo und wie diese eingesetzt werden, sei "grotesk".
Druck macht die Wirtschaftskammer bei den von der Regierung angekündigten Modellregionen für eine Gemeinsame Schule der Sechs- bis 14-Jährigen. "Zumindest einer Modellregion in Vorarlberg könnten wir sehr viel abgewinnen." Dort sei man gut auf einen Modellversuch über das gesamte Bundesland hinweg vorbereitet und es gebe - anders als etwa in Wien - einen breiten Konsens zu dem Thema in der Bevölkerung. "Alle in die gleiche Schule zu schicken alleine bewirkt allerdings nichts", betonte Landertshammer. Wichtig sei, dass dort auf die Talente jedes einzelnen eingegangen werde und der Unterricht sich nicht mehr an einem "Normschüler" orientiere.
Im Hochschulbereich plädiert die WKÖ für neue Bildungsangebote: Neben Privatunis soll künftig auch die Gründung von privaten Fachhochschulen (FH) möglich sein. Dadurch könnte schnell auf die Bedürfnisse der Wirtschaft in Aus- und Weiterbildung reagiert werden, Hauptzielgruppe sollen Lehrabsolventen sein. Für diese wünscht sich Landertshammer außerdem als Alternative zu den derzeitigen Weiterbildungs-Masterstudien die Schaffung von Bachelor-Studien, die auch ohne Studienberechtigungsprüfung studiert werden können, aber trotzdem dem ordentlichen Bachelor nach der Bologna-Struktur entsprechen.
Bei aller Kritik hat Landertshammer auch viel Lob für die Regierung über, etwa für die zuletzt von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) präsentierte Digitalisierungsstrategie ("ein großer Wurf") und die "stille und effiziente" Zusammenarbeit der Ressortchefin mit ihrem ÖVP-Gegenüber Staatssekretär Harald Mahrer. Die beiden würden zwar vielfach durch Widerstände in ihren Parteien ausgebremst. Der angekündigte Abgang von Erwin Pröll als Landeshauptmann von Niederösterreich ist für ihn Grund zur Hoffnung, "dass man Hammerschmid und Mahrer etwas auf den Weg bringen lässt". "Nicht für gscheit" hält Landershammer hingegen die von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und Hammerschmid gewünschten Gratis-Laptops und -Tablets für Schüler. Das Geld solle lieber in gute pädagogische Software investiert werden.
APA0254 2017-01-25/12:14, 251214 Jan 17