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Österreichische

Beamtenversicherung

Die Steuerreform bringt im Schnitt 620 Euro pro Jahr

Die Steuerreform bringt im Schnitt 620 Euro pro Jahr
Alle profitieren von der Steuerreform – Beamte und Lehrlinge ganz besonders. Aber die Inflation droht die Entlastung aufzufressen.


Wien. Nicht nur die Post bringt allen was – auch die Steuerreform. Im Durchschnitt haben die Österreicherinnen und Österreicher pro Jahr 620 Euro mehr am Konto als vor der Reform, die seit Anfang 2016 gilt. Das zeigen Berechnungen der Agenda Austria. Durchschnitt heißt: Bei einem Einkommen von netto knapp 20.000 Euro.
Aber niemand bezieht ein Durchschnittsgehalt. Am meisten konnten Beamte und pensionierte Beamte von der Steuerreform profitiert, so die Agenda. Ein durchschnittlicher Beamte wurde demnach um fast 1400 Euro pro Jahr entlastet. Ein Beamtenpensionist um 1200 Euro.
Freilich: Das sagt mehr über die Gehälter von Beamten als über die Steuerreform aus. Profitieren konnten von der Reform alle 6,4 Millionen arbeitenden Österreicher und Österreicherinnen. Ein weiterer Ausreißer sind die Lehrlinge. Die verdienen zwar weniger als alle anderen Berufsgruppen, haben aber mehr als fünf Prozent zugelegt – mehr noch als die Beamten. Aber wie gesagt: Die Lehrlinge sind ein Ausreißer.
Grundsätzlich gilt: „Natürlich ist es so, dass jene, die mehr Steuern zahlen, auch mehr zurückkriegen“, so der Agenda-Ökonom Michael Christl zur „Presse“. Beamte sind in der Regel älter, pensionierte Beamte sowieso.
Auch gibt es in diesem Bereich eine niedrige Teilzeit- und eine hohe Akademikerquote. All das verzerrt die Statistik zu Gunsten der Beamten. „Interessant ist aus unserer Sicht dennoch, dass in Österreich Beamte und Beamtenpensionisten die zwei Gruppen mit den höchsten Nettoeinkommen sind. Beamte verdienen im Schnitt netto um 43 Prozent und pensionierte Beamte um knapp ein Fünftel mehr als Angestellte.“
Verzerrte Beamtenstatistik
Dennoch gibt es auch hier einen Haken. Die Statistik würde anders aussehen, wenn die tendenziell jungen Vertragsbediensteten im Staatsdienst eingerechnet wären. Die liegen nämlich beim Einkommensschnitt knapp hinter den Angestellten. Soll heißen: Beamter müsste man sein – der Weg dorthin ist aber sehr schwierig, es gibt immer weniger echte Beamtenkarrieren. Auch das verzerrt die Statistik zugunsten der etablierten Beamtenschaft. Deutlich ausgeglichener zeigt sich die Steuerreform beim Blick auf die Altersstruktur. Hier wurde durch die Bank entlastet – im Bereich von 3,0 bis 3,4 Prozent.
Betrachtet man die Auswirkungen auf die verschiedenen Gehaltsklassen, so zeigt sich, dass die oberste Einkommensschicht (Nettoeinkommen über 50.000 Euro pro Jahr) ein bisschen weniger profitieren konnte als etwa die Dezile sechs bis neun (siehe Grafik). „Besonders gut hat der gehobene Mittelstand abgeschnitten“, sagte Agenda-Chef Franz Schellhorn dem ORF-Radio am Dienstag.
Im EU-Vergleich hätte die Reform kaum Verbesserungen gebracht. So sei Österreich immer noch Nummer zwei hinter Belgien, wenn es um die Höhe des Keils zwischen Brutto- und Nettolöhnen gehe. „Der Staat verlangt viel Geld von den Bürgern“, so Schellhorn. Zwar wirke sich die vorhandene Entlastung durchaus positiv auf die Kaufkraft, den Konsum und die Konjunktur aus.
Aber: Die Inflation würde die Entlastung durch die kalte Progression bald wieder auffressen. Spätestens binnen fünf Jahren, möglicherweise auch früher. „Bis jetzt hat es die Regierung verabsäumt, die kalte Progression abzuschaffen“, so Schellhorn. (jil)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2017)