Gewerkschaft Öffentlicher Dienst Tirol

Mitglied werden

leistungen
Unsere Leistungen

lesen Sie mehr ...

oebv-logo
Österreichische

Beamtenversicherung

Bildungsreform: Kritik von Eltern, Schülern, Lehrern und Direktoren

APA0219 5 II 0494 XI Mo, 26.Jun 2017
Schule/Elternvertretung/Lehrende/Wien
Bildungsreform: Kritik von Eltern, Schülern, Lehrern und Direktoren 

Utl.: Abgeordnete sollen "ohne Klubzwang" darüber abstimmen - Elternvertreter: "Kein Problem gelöst" - Gewerkschafter: Aufhebung der Klassenschülerhöchstzahlen "pädagogischer Irrwitz" 


Wien (APA) - Eine breite Front aus Eltern-, Schüler-, Lehrer- und Direktorenvertretern kritisiert die von Regierung und Grünen vereinbarte Bildungsreform, die diese Woche im Nationalrat beschlossen werden soll. Bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien forderten sie eine geheime Abstimmung über die Materie und appellierten an die Abgeordneten, "ohne jeden Klubzwang" darüber zu entscheiden.
Mit dem Bildungspaket werde "kein einziges Problem gelöst", erklärte der Vorsitzende des Bundeselternverbands an den mittleren und höheren Schulen (BEV), Gernot Schreyer. Vielmehr bestehe eine Menge ungelöster Probleme, etwa die Aufhebung der Klassenschülerhöchstzahl, obwohl schon jetzt 40.000 Schüler der AHS-Unterstufe in Klassen mit mehr als 25 Schülern sitzen.
Gerlinde Bernhard, stellvertretende Vorsitzende der Lehrergewerkschaft für berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS), bezeichnete die Möglichkeit, durch die geplante Aufhebung der Eröffnungs- und Teilungszahlen mehr Schüler in die Klassen zu stopfen, als "pädagogischen Irrwitz". Künftig obliegt die Klassen-und Gruppengröße den Direktoren. Doch diese könnten nur "mit gefesselten Händen entscheiden", nämlich anhand der zur Verfügung stehenden Werteinheiten, und die seien in den vergangenen Jahren immer weniger geworden, so Susanne Schmid vom BEV.
Für Schreyer wird mit der Reform die Schuldemokratie demontiert, "man spricht von Schulautonomie, meint aber Schulleiterautonomie". Für starke Schulleiter bräuchte es aber auch eine starke Schulpartnerschaft. Isabella Zins, stellvertretende Vorsitzende der AHS-Direktoren Österreichs, sieht schon jetzt den administrativen Aufwand für die Schulleiter sehr hoch, "Cluster nützen uns gar nichts, wir brauchen ein mittleres Management". Keine Freude hat Zins mit der künftigen Personalhoheit der Direktoren. Angesichts des Lehrermangels sei dies eine "Lizenz, aus dem Leeren zu schöpfen".
Die Elternvertreter orten in der Reform "eine überbordende Konzentration auf die Verwaltung, Pädagogik kommt dagegen nicht vor". "Damit werden Mittel von der Lehre in Richtung Verwaltung verschoben, auf Kosten unserer Kinder", sagte Schmid. Sie erwartet, dass "die Qualität des Schulwesens dadurch dramatisch sinken wird".
"Entsetzt und erschüttert" ist Schreyer über die im Reformpaket enthaltene Möglichkeit, Modellregionen für die Gesamtschule einzurichten. Dies sei nie Thema bei den Verhandlungen mit den Schulpartnern gewesen, "das können wir als Elternverband nicht akzeptieren. Zudem wisse niemand, "was in der Gesamtschule drinnen ist": Es gebe keine Lehrpläne. Schreyer fragt sich daher, ob man diese nach dem teuren Schema der Neuen Mittelschule mache. Für Bundesschulsprecher Harald Zierfuß würden durch die "Einführung der Gesamtschule durch die Hintertür" die Schüler zu "Versuchskaninchen", obwohl internationale Vergleiche zeigen würden, dass Systeme mit Gesamtschulen keine besseren Ergebnisse hätten.
Den Vorwurf des Bildungsministeriums, dass die Lehrergewerkschaft dem Reformpaket zunächst zugestimmt habe, es nun aber kritisiere, wies der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Herbert Weiß zurück. Das könne nur daran liegen, dass Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) bei fast keinem der Gespräche dabei gewesen sei. Er appellierte an die Abgeordneten, "nicht knapp vor der Wahl ein Kuckucksei ins Nest zu legen". Sie könnten
auch durch Anträge noch Verbesserungen erreichen, etwa bei den Eröffnungs- und Teilungszahlen Druck herausnehmen.
(Schluss) cm/aku/mk
APA0219 2017-